
Erste Radtour nach Monaten, und gleich ein so attraktives Ziel: das Hauptzollamt, ein dreistöckiges Bürogebäude in der Gewerbe-Pampa, kurz vor Unna Massen: eine Stunde hin, eine Stunde zurück. Wenn Sie ein Paket aus Tokyo erwarten, bitten Sie den Verkäufer, die Rechnung sichtbar außen anzubringen: denn sowas kommt von sowas.
Auf dem Amt eine verschlossene Tür: Bitte einzeln eintreten.
Man sieht nicht, ob jemand drin ist oder nicht. Man geht rein und lässt sich anschnauzen, oder man wird gnädig empfangen. Der Zollbeamte gibt mir ein Papiermesser und lässt mich das Paket aufschneiden. Er prüft das Buch: es ist weiß, die Schrift ist japanisch, den englischen Titel sieht man kaum: Farewell Photography. «Fotografie», brummt der Zollbeamte.
Der Bittsteller (ich) möge bitte auf dem Gang warten, bis man ihn namentlich aufrufen wird. Das dauert 15 Minuten: die Rechnung wird in Yen geprüft, dann auf Zuschläge in Originalwährung angesetzt, dann in Euro umgerechnet, Stoff genug für die Sendung mit der Maus. Draußen zwei andere Bittsteller; an den Wänden Plakate mit der Aufschrift: Der Zoll sieht, was Sie nicht sehen.
Eine ältere Frau kommt rein und steht ratlos vor der Tür. Bitte einzeln eintreten.
Sie dreht sich zu uns um: «Ob ich anklopfen darf?»
«Sie dürfen sogar reingehen, da ist gerade keiner drin.»
«Glauben Sie wirklich, ich darf da rein?»
«Aber ja.»
(Sie klopft leise, zaghaft, einmal.)
«Gehen Sie doch rein.»
«Ich traue mich nicht.»
«Glauben Sie uns, da ist niemand drin. Wenn Sie nicht reingehen, wird niemand reingehen.»
«Sind Sie nicht zuerst dran?»
«Wir waren schon da, wir warten. Gehen Sie ruhig rein.»
Sie schaut unsicher. «Vielleicht wollen die ihre Ruhe haben.»
Sie geht nicht rein.
Sie geht doch rein. Als ich aufgerufen werde, steht sie an der Theke und öffnet ihr Paket, «Das ist was gegen Schuppenflechten», entschuldigt sie sich, «das hilft garantiert, ich brauche es für meinen Sohn…»





Wisse, gute Frau, Du weißt nicht, wer Dich hinter diesem Tor erwartet, doch dieser Einlass war einzig für Dich bestimmt.