[] jules — Le XXV Floréal de l'an CCXXI






















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[] jules — Le XXV Floréal de l'an CCXXI



















Wir sind von hier aus über den Nordmarkt gegangen, hielten einmal inne, weil ein Mann seine Freunde fotografieren wollte, die sich vor ihrem Stammlokal versammelt hatten und lachten, doch er winkte uns weiter. Die alten Fassaden, deren Stuck immer etwas Rührendes hat, der Rest ist Armut; ich hatte hier früher oft Baklava gekauft.

Das ruhige Gespräch dann im portugiesischen Restaurant, wie das passte, hier Wein trinkend, mit Blick auf eine abendliche Hauptstraße der nördlichen Stadt, über Fülberth und Dath und den Kommunismus zu reden? Wir malten uns aus, jetzt müsste Lino Ventura in dieses Lokal hereinkommen, erschöpft vom Einblick in die Verstrickungen seiner Vorgesetzten, wie sie Francesco Rosi uns gezeigt hat; doch es gingen nur Familien mit niedlichen Knirpsen vorbei.

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[] jules — Le XXV Floréal de l'an CCXXI




























Man hatte den Platz, in dessen Nähe ich lebe, schon abgesperrt. Ein Mann fragte mich nach einer Straße, zu der er hin wollte, das war die Straße, auf die wir zuliefen: er mit großem Reisegepäck. Es war merkwürdig, ihn als einzigen nicht der Meisterfeier wegen hier zu sehen, sondern um anzukommen. Hoffentlich ist er nicht verloren gegangen.

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[] jules — Le XXI Floréal de l'an CCXXI

Aber etwas, das tatsächlich notwendig war, ist mir noch nie widerfahren, weil ich noch nie defibrilliert werden musste, beispielsweise. [Lobt @kykel]

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[] jules — Le XX Floréal de l'an CCXXI

So. Um die Vögel der Umgebung zu überlisten, hat unser Butler den Balkon jetzt im Dunkeln bepflanzt; mögen Tauben, Amseln, Meisen, Elstern, Eichelhäher, Mauersegler und Spatzen die Töpfe und Kästen auch wochenlang belauert haben: um diese Zeit fallen ihnen die Augen sicher zu. Er habe seine Wächter ausgetrickst, sagt sich der Butler, schließlich könne die Jerry-Cotton-Lektüre der letzten Monate nicht umsonst gewesen sein.

Franquin würde jetzt über dem Butler eine große schwarze Wolke voller Augen zeichnen.

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[] edmond — Le XVIII Floréal de l'an CCXXI













[Schon so lange her, dass ich das machte: in den Stadtchroniken zu blättern, eigentlich nur, um eine Art Bewegungsform herauszufinden: irgendwas musste den Schritten doch beigegeben sein, irgendeine Gangart, die den Kurven und Gassen einer Stadt gerecht würde, wobei es natürlich auch diese spezifische Art ist, Windjacken zu tragen, Rucksäcke und Einkaufstaschen, den Alltag von der Arbeit in die Freizeit, von der Freizeit in die Arbeit zu schleppen: der kleine Witz im Gespräch, um der saudade nur ja kein Wort zu gewähren, denn fände ich für die saudade ein einziges Wort, das sie fassbar machte für jedwedes Gespräch: es wäre dies nicht mehr saudade.]

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To Be A Sport

[] edmond — Le XVII Floréal de l'an CCXXI

















(Für die Feier hat die «Deutsche Bank24» am Borsigplatz ihre Schaufenster mit Barrikaden verrammelt; auf dem Weg nachhause der traurige Gedanke, dass der hiesige Supermarkt nächste Woche schließt: ich mochte doch immer dieses Zusammentreffen von proletarischem Publikum, stoischen Verkäufern und guten Weinen. Überall Leerstände jetzt: Häuser, Werkstätten, Läden, Dönerbuden.)

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[] the butler — Le XIV Floréal de l'an CCXXI

Es ist schon wieder was passiert.

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Westfalenstadion

[] edmond — Le V Floréal de l'an CCXXI





























[Der junge Fußballer, der sich dann zwischen die Leute setzte und ihnen Autogramme und T-Shirts mit seinem Namen unterschrieb: der gelassen blieb, wenn die Leuten sich neben ihn setzten, ihm den Arm über die Schulter legten & ihm dicht auf den Leib rückten, der ihnen immer wieder freundliche Winke gab, in welche Kamera sie blicken sollten, immer wieder auf mich zeigte, während die Leute aufgeregt überall hinblickten nur nicht in irgendein Objektiv. Das hatte doch etwas Rührendes und seltsam Profihaftes, irgendwie.]

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写真さよな

[] edmond — Le V Floréal de l'an CCXXI

Erste Radtour nach Monaten, und gleich ein so attraktives Ziel: das Hauptzollamt, ein dreistöckiges Bürogebäude in der Gewerbe-Pampa, kurz vor Unna Massen: eine Stunde hin, eine Stunde zurück. Wenn Sie ein Paket aus Tokyo erwarten, bitten Sie den Verkäufer, die Rechnung sichtbar außen anzubringen: denn sowas kommt von sowas.

Auf dem Amt eine verschlossene Tür: Bitte einzeln eintreten.

Man sieht nicht, ob jemand drin ist oder nicht. Man geht rein und lässt sich anschnauzen, oder man wird gnädig empfangen. Der Zollbeamte gibt mir ein Papiermesser und lässt mich das Paket aufschneiden. Er prüft das Buch: es ist weiß, die Schrift ist japanisch, den englischen Titel sieht man kaum: Farewell Photography. «Fotografie», brummt der Zollbeamte.

Der Bittsteller (ich) möge bitte auf dem Gang warten, bis man ihn namentlich aufrufen wird. Das dauert 15 Minuten: die Rechnung wird in Yen geprüft, dann auf Zuschläge in Originalwährung angesetzt, dann in Euro umgerechnet, Stoff genug für die Sendung mit der Maus. Draußen zwei andere Bittsteller; an den Wänden Plakate mit der Aufschrift: Der Zoll sieht, was Sie nicht sehen.

Eine ältere Frau kommt rein und steht ratlos vor der Tür. Bitte einzeln eintreten.
Sie dreht sich zu uns um: «Ob ich anklopfen darf?»
«Sie dürfen sogar reingehen, da ist gerade keiner drin.»
«Glauben Sie wirklich, ich darf da rein?»
«Aber ja.»
(Sie klopft leise, zaghaft, einmal.)
«Gehen Sie doch rein.»
«Ich traue mich nicht.»
«Glauben Sie uns, da ist niemand drin. Wenn Sie nicht reingehen, wird niemand reingehen.»
«Sind Sie nicht zuerst dran?»
«Wir waren schon da, wir warten. Gehen Sie ruhig rein.»
Sie schaut unsicher. «Vielleicht wollen die ihre Ruhe haben.»
Sie geht nicht rein.

Sie geht doch rein. Als ich aufgerufen werde, steht sie an der Theke und öffnet ihr Paket, «Das ist was gegen Schuppenflechten», entschuldigt sie sich, «das hilft garantiert, ich brauche es für meinen Sohn…»





Wisse, gute Frau, Du weißt nicht, wer Dich hinter diesem Tor erwartet, doch dieser Einlass war einzig für Dich bestimmt.

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[] edmond — Le IV Floréal de l'an CCXXI

Jawohl, zu träumen, daß ich beispielsweise zur gleichen Zeit getrennt und unverwechselbar der Mann und die Frau des Spaziergangs eines Mannes und einer Frau am Flußufer bin. Könnte ich mich doch zur gleichen Zeit sehen, mit gleicher Deutlichkeit, auf dieselbe Weise, unvermischt, und beide Dinge mit gleichem Einfühlungsvermögen sein, ein bewußtes Schiff auf einem südlichen Meer und die gedruckte Seite eines Buches.

[Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe des Hilfsbuchhalters Bernardo Soares, Ü: Inés Koebel, Zürich 2003, S. 163]

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[] the butler — Le III Floréal de l'an CCXXI

















Ich hatte einen sechzehn-Stunden-Tag hinter mir, als ich das Haus, in dem ich arbeitete, verließ. Es begann zu regnen, kräftig, es trieb mich, auf dem Weg nachhause, quer durch die Stadt. Zuvor hatten zwei alte Omas bei mir gesessen, die in der allgemeinen Stille des Gebäudes mit jedem Geräusch von draußen aufhorchten, es raste hin und wieder ein hupendes Auto vorbei. Die eine Oma fragte die andere: «Was ist denn heute für ein Tag?» Worauf die andere sagte: «Samstag», und die eine wieder «Ah» sagte, «dann können wir morgen ausschlafen». Ich habe den Wecker schon wieder auf halb sechs gestellt.

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[] edmond — Le XXVIIII Germinal de l'an CCXXI








Eine alte Dame, die ich seit der Kindheit kenne, und die aus Albenga stammt, sehe ich noch ab und zu am Strand, wenn ich runterfahre. Sie ist in den vergangenen Jahren ziemlich dement geworden und lässt sich von einer Pflegerin an den Strand begleiten. Manchmal erkennt sie mich noch, zumindest tut sie so. Ihr verstorbener Mann war ein Torwart der ersten Liga gewesen, hier Mister genannt, der mit den Nachbarn der Wohnsiedlung frühmorgens zum Fischen ausfuhr (das ist die Pensionistengeneration, die hier in Sommerfrischen lebt und Hemingway gelesen hat). Die Dame freut sich, wenn ich ihr erzähle, dass ich in Albenga gewesen sei und in Genua; alle behaupten, sagt sie, Genua sei eine hässliche Stadt. — In Albenga verbrachte ich einen halben Tag: das Wetter war irgendwas zwischen sonnig, schwerfällig, düster, man steht vor der Basilika aus dem V. Jahrhundert, die man, ob Atheist oder nicht, in ihrer groben Hinplatziertheit wie eine etwas zu schroffe Geste sehr mögen kann, bevor man nach Alassio weiterfährt und einen Quadratmeter Platz zwischen Mietstränden suchen mag.

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[] jules — Le XXVI Germinal de l'an CCXXI

Er verdingte sich als Henker, aber er war kein bei einem Hof fest angestellter, sondern ein freier Henker, den man mieten konnte, was im Endeffekt preiswerter war.

[Jason Dark, Blutschwert der Hölle, Köln 2012 (John Sinclair Bd. 1761), S. 5]

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